Montag, 2. Oktober 2006

Sonntag, 1. Oktober 2006

Ziel verfehlt - trotzdem zufrieden

Die Sterne hingen ein bisschen zu hoch. Ich hab nach ihnen gegriffen, war aber noch ein wenig zu klein. Ich werde weiter daran arbeiten, denn ich habe gelernt, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich ein Ziel setzt. Dieses Mal war's wohl zu ambitioniert. Sich um mehr als fünf Minuten auf fünf Kilometer verbessern zu wollen, grenzt ja bei meinen Voraussetzungen nahezu an Größenwahn.

Es war trotzdem eine sehr nette Laufveranstaltung. Wir hatten ja als Team gemeldet und trafen uns also am Chinesischen Turm, um zumindest gemeinsam loszulaufen. Und so hübsch waren wir in den rosaroten Sponsorenhemdchen:


(Ich bin die zweite von links)

Etwa viertel vor elf begaben wir uns zum Start. Als erstes scheuchten wir eine Vierergruppe Nordic Walkerinnen hinter uns. Das waren aber leider nicht die einzigen, die sich wieder ziemlich weit vorne aufgestellt hatten, wie wir nach dem Startschuss um 11 Uhr ziemlich schnell bemerken mussten. Ein Hindernislauf ist nichts dagegen, was einem da auf dem ersten Kilometer widerfuhr. Meine Slalomqualitäten verbessern sich zusehends bei so viel Übung.
Stefan hatte mir den Forerunner mitgegeben, damit ich die Kilometerzeiten im Auge behalten konnte. Oh je, ich und Technik! Ich drückte zwar am Start auf den Knopf, auf den ich drücken sollte, aber offenbar nicht fest genug. Denn irgendwann, so ca. bei Kilometer eins bemerkte ich, dass er immer nur noch die Uhrzeit anzeigte. Oh nein! Also, dann jetzt mal kräftig gedrückt und er signalisierte mir auch mit einem Pieps, dass er nun bereit und gewillt war, meine Kilometersplits aufzuzeichnen und auch jedesmal Laut zu geben, wenn wieder ein Kilometer rum war.
Ich fand mich aber ziemlich schnell. Das war ich auch, jedenfalls auf dem zweiten Kilometer, bei dem ich auch noch ständig am Überholen und Einsammeln langsamerer Läuferinnen war. So etwas hatte ich bei all meinen bisherigen Läufen noch nicht erlebt. Doch dieses kräftezehrende Zickzacklaufen, Abbremsen und wieder Gas geben rächte sich leider beim nächsten Kilometer. Ich merkte direkt, wie ich langsamer wurde, wie ich es als immer anstrengender empfand. Die nachher ausgewerteten Splits sprechen eine deutliche Sprache:
  • Kilometer zwei: 5:50
  • Kilometer drei: 6:35
  • Kilometer vier: 6:51
  • Kilometer fünf: 6:22
Ich hatte einen richtiggehenden Einbruch beim Kilometerschild Nummer 3. Da ging es auch so ganz ganz sachte bergauf. Dieses Stück macht mir auch beim Münchner Stadtlauf immer zu schaffen und auch heute zwang es mich so quasi in die Knie. Hier blitzte zum ersten Mal auch der Gedanke auf: "geh doch ein bisschen!" Aber das kam dann doch überhaupt nicht in Frage, auch wenn zwei junge Mädchen mir das an dieser Stelle vormachten. Frau! Es sind nur fünf Kilometer! Du schaffst das schon! Also weiter laufen. Und dann bekam ich tatsächlich so etwas wie den zweiten Wind, der letzte Kilometer war zwar auch sehr mühsam, aber ich konnte noch einmal ein bisschen anziehen. Jetzt ist es nicht mehr weit, ich konnte schon die Musik und den Sprecher im Ziel hören. Da auf der rechten Seite entdeckte ich sogar noch Sylvias Freund, der vermutlich ein ziemlich fertiges Bild von mir machte.
Noch ca. 50 Meter und ich hatte es geschafft! Plötzlich Schreie von rechts: "der Hund!" Hä? Mein Hund? Oder was? Und schon passierte es: rechts von mir überholte mich plötzlich eine Frau und links von mir wollte mich der dazu gehörige Hund überholen. Der war aber angeleint. Und volle Kanne kriege ich die Hundeleine in die Beine von hinten. Nein, es ist Gott sei Dank nichts passiert. Ich musste aber natürlich meinen Zielsprint abbrechen, da ich nicht unbedingt auf allen Vieren ankommen wollte. Ich fand das ziemlich ärgerlich in dem Moment.
Leider weiß ich noch nicht, in welcher Zeit ich nun tatsächlich ins Ziel kam, da die offiziellen Ergebnisse noch nicht online sind. Es müssen so ungefähr 32 Minuten sein. Vielleicht, mit etwas Glück, steht auch eine eins an zweiter Stelle. Aber es ist ok. Mehr ging nicht. Oder vielleicht doch, mit meinem Pacemaker Stefan an meiner Seite hätte ich es vielleicht geschafft, mit 30:xx ins Ziel zu kommen. Aber hätte gilt nun mal nicht. Es hat nicht sollen sein. Ich bin aber wirklich nicht traurig oder enttäuscht. Es wird neue Ziele geben. Mehr davon demnächst.

Samstag, 30. September 2006

Nervosität

Meine Güte! Es sind doch nur 5 Kilometer! Und der Frauenlauf ist doch alles andere als ein echter Wettkampf! Nun mach dir doch nicht ins Hemd deswegen! Deine Leser hier lachen sich kaputt, was du für ein Gewese um lächerliche 5 Kilometer betreibst. Als ob das irgend etwas Besonderes wäre!


Dieser Lauf ist etwas Besonderes für mich! Er unterscheidet sich wesentlich von allen Läufen, die ich bisher bestritten habe, auch von meinem ersten und einzigen Halbmarathon.

Und worin soll der Unterschied bestehen? Dass es dein erster Fünf-Kilometer-Lauf ist?

Es ist nicht mein erster. Ich bin vor zweieinhalb Jahren in Forstenried schon einmal die 5 Kilometer gelaufen. Und habe damals 34 Minuten gebraucht. Nein, der Unterschied besteht darin, dass ich das allererste Mal in meinem bisherigen Läuferleben ein ganz konkretes Ziel habe! Das hatte ich noch nie. Bisher war es mir immer mehr oder weniger egal, in welcher Zeit ich einen Lauf beenden würde, wichtig war für mich das Beenden, das Nicht-vorher-Aufgeben. Die Zeit war immer nebensächlich.

Und warum ist sie dir jetzt plötzlich wichtig? Lauf doch einfach so wie immer, ankommen wirst du auf jeden Fall und Spaß haben wirst du auch mit deinen Mitläuferinnen. Keine von denen zickt so rum wie du!

Ja, ich weiß. Eigentlich komme ich mir ja auch schon ziemlich blöd dabei vor. Die tippen sich wahrscheinlich alle heimlich an die Stirn. Und trotzdem: ich möchte das gerne schaffen. Ich habe dafür trainiert und das Training hat mir Spaß gemacht. Mit Manus Anleitung bin ich diesen Monat 120 Kilometer gelaufen. Der trainingsintensivste Monat des ganzen Jahres!

Ja und? Letztes Jahr hattest du auch Monate mit weit mehr als 100 Laufkilometern! Das ist doch nichts Besonderes.

Ach, jetzt sei endlich still. Ich weiß zwar auch nicht so genau, warum ich jetzt plötzlich Ehrgeiz entwickle, aber so ist es nun mal. Auch in meinem Alter darf ich das noch. Vor allem, wenn die Möglichkeit besteht, mal im ersten Drittel der Ergebnisliste zu erscheinen.

Meine Nerven! Bin ich nervös! Ich träume von diesem Lauf...



Mittwoch, 27. September 2006

Tapering-Woche

Vorweg: ich kann das Wort nicht leiden. Tapering. Ah ja. Was heißt das denn überhaupt? Ich habe mal mein dickes Dictionary of Contemporary English bemüht und da steht folgendes:
taper, also taper off to become gradually narrower towards one end: The jeans taper towards the ankle.
taper off to decrease gradually: Interest in the scandal seems to be tapering off.

Und was hat das jetzt damit zu tun, dass ich vor meinem "Wettkampf" eine Erholungswoche einschieben darf? Ach, immer diese Anglizismen. Ich mag sie einfach nicht. Aber ich kann den Trend wohl auch nicht aufhalten.
Erholungswoche bedeutet nun in meinem Fall, dass ich nur zwei kurze Läufe machen muss. Je 5 Kilometer. Heute war der erste. Wieder mal perfekte Laufbedingungen und ich soll nur langsam laufen? Mit Steigerungen am Ende jedes Kilometers? Ok, ich hab's versucht. Der erste Kilometer war im Rahmen der Vorgabe. Doch nach der ersten Steigerung finde ich einfach das Anfangstempo nicht mehr. Ich werde schneller und bleibe schneller. Tja, ich bin einfach doch keine so gelehrige Laufschülerin...
Am Ende waren's 31:03 Minuten für 4,82 Kilometer (der Forerunner hat das gesagt und auch folgende Kilometer-Splits aufgezeichnet: 6:30; 6:22; 6:42; 6:26; 6:10). Und ich fühlte mich nicht am Limit. Natürlich hab ich a bissl geschnauft. Aber ich wusste auch, es geht noch mehr. Also schauma mal am Sonntag.... ich werde mich wirklich anstrengen! Denn ich befürchte, der Erwartungsdruck, den ich um mich herum aufgebaut habe, ist riesig. Aber das macht gar nix.

Sonntag, 24. September 2006

Haile G. ist schuld

Schon um halb zehn hatten wir die Laufklamotten an, um den letzten Teil meines Wochentrainingsplans anzupacken. Dummerweise kam uns aber Haile Gebrselassie bzw. die Fernsehübertragung des Berliner Marathons in die Quere, so dass es nach 11 Uhr war, als wir endlich aufbrachen. Die Sonne war da natürlich schon in Höchstform und hatte den Hochnebel vertrieben. Na gut, dann wird es halt ein Solidaritätslauf mit all denen, die sich bei den hohen Temperaturen da in Berlin vier Stunden und länger quälen würden.
Ich wollte langsam laufen und auf dem ersten Kilometer klappte das auch ganz gut - 7er Schnitt glatt. Dann kommt eine längere schattenlose Gerade, etwa auch einen Kilometer lang und da sah ich sie: in circa 400 Metern Entferung vor uns lief eine dickliche Frau mit Trainingsanzug, also langer Hose, langärmelige Jacke und das ganze auch noch aus dicker Baumwolle. "Die will ich!", verkündete ich ein wenig größenwahnsinnig Stefan. Aber doch nicht jetzt? Doch, jetzt, denn die biegt wahrscheinlich da vorne an der Kapelle ab und ich muss sie vorher eingeholt und überholt haben. Ja ja, so sticht mich manchmal der Hafer schon ganz arg. Wie du meinst, resignierte Stefan. Und wir zogen das Tempo an, der 6er Schnitt würde reichen, um sie einzusammeln. Und es klappte tatsächlich. Immer näher kamen wir der moppeligen Dame, die aber trotzdem auch tapfer weiterlief. Weit, bevor sie vermutlich abbiegen würde, hatten wir sie eingeholt. Ein kurzer Blick nach rechts beim Überholen ergab eine erstaunliche Entdeckung: die dicke Frau entpuppte sich als dicker Mann, und zwar als der, der schon seitdem ich laufe, immer mal wieder meine Wege kreuzt. Er ist so schätzungsweise zwischen 40 und 50 Jahren alt, läuft immer in diesem schrecklich dicken Trainingsanzug und kommt offensichtlich nach mindestens drei Jahren Lauf"training" (so lange begegne ich ihm schon) immer noch nicht so recht vom Fleck.
Ich hoffe, man vergibt mir, wenn ich heute beim Überholen eine ziemliche Genugtuung verspürte...
Der Rest des Laufes ist eher uninteressant. Wir legten die 11,3 Kilometer in etwa 1:15 zurück, stoppten aber hin und wieder mal, um etwas zu trinken. Ich spüre meine Beine jetzt schon ein wenig. Insgesamt waren es ja fast 40 Kilometer diese Woche, das merkt man dann schon. Und nun freue ich mich auf den Lauf nächsten Sonntag....

Samstag, 23. September 2006

Zweifel bleiben...

Heute war so quasi mein letztes intensives Training. Morgen muss ich zwar noch einmal einen "langen" Lauf (10 Kilometer) absolvieren, aber das schreckt mich nicht. Das geht auf jeden Fall, wenn es nicht unbedingt auch noch schnell sein muss. Und das ist ja nicht vorgesehen.

Meine letzte Aufgabe für heute war also noch einmal Bahntraining, und zwar je 2000 Meter ein- und auslaufen, dazwischen drei 1000-Meter-Intervalle im geplanten Renntempo, also jeder Kilometer in maximal 6 Minuten. Dazwischen durfte ich mich noch jeweils für 600 Meter im Trabschritt erholen. Vor dem ersten Intervall war noch eine Runde mit Steigerungen eingebaut, damit meine Beinchen auf Touren kommen.

Ich nehme das Ergebnis vorweg: es hat - so mehr oder weniger - geklappt. Ich konnte den 6er Schnitt halten, das letzte Intervall war ein wenig länger - 6:07. Und das Auslaufen hinterher bereitete mir auch keine großen Überwindungen (im Vergleich etwa zum allerersten Bahntraining). Das Wetter spielte aber heute auch perfekt mit, der Hochnebel, der über der Stadt lag, ließ die Temperatur auf nicht mehr als 15 Grad ansteigen.

Und trotzdem. Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht. 3000 Meter sind keine 5000 Meter und auf den letzten 200 Metern der Intervalle war ich schon immer froh, dass ich den Kilometer gleich geschafft haben würde. In meinem Kopf kommt da immer kurzzeitig der unbändige Wunsch auf, auf der Stelle stehen zu bleiben und mir zu diesem Entschluss zu gratulieren. Wozu soll ich mich denn eigentlich so quälen? Na ja, quälen ist vielleicht noch nicht einmal das richtige Wort, "anstrengen" trifft's besser. Irgendwie mag ich körperliche Anstrengungen nicht sonderlich. Aber warum nehme ich mir dann so bescheuerte Ziele vor? Ich weiß es nicht. In mir streiten wirklich zwei Geister - der eine sagt, komm, mach's dir leicht; der andere entgegnet, hey, nun stell dich nicht so an!

Na ja, ich habe dieses Projekt nun angefangen und meine Trainerin Manu hat sich so viel Mühe gegeben mit der Erstellung der Wochenpläne. Allein schon ihretwegen muss und werde ich es probieren. Manu, keine Sorge, ich geb nicht auf!

Und PS:
Ich drück dir ganz doll die Daumen für deinen Lauf morgen, Manu! Du schaffst das bestimmt!

Donnerstag, 21. September 2006

(Kein) Mitleid mit dem Teufel

Ich befinde mich zwar in der intensivsten Trainingswoche, aber für Münchner gibt es auch noch andere Prioritäten, auch wenn sie ziemlich kontraproduktiv sind:


Ich traute meinen Augen kaum am Morgen nach dem Wiesnbesuch. Die Waage zeigte zwei Kilos mehr an! Na ja, irgendwo müssen die zwei Maß, das halbe Wiesn-Hendl, die große Wiesn-Breze, zwei Zuckerlimos (zum Bier verdünnen) und eine Tüte gebrannte Mandeln ja bleiben. Offensichtlich direkt in meinen eh schon umfangreichen Fettdepots.
So viel zur Wiesn.

Heute geht's aber wieder um was anderes. Nämlich um ganz schön viel Liebe, die mir in die Ohren dröhnte, als ich zu meinem 10-Kilometer-Lauf aufbrach. Und danach trommelte man mir live gespielt was vor, ganze achteinhalb Minuten lang. Aber der Rhythmus passte gut. Das Rad im Himmel trieb mich etwas sanfter weiter am Maisfeld entlang. Dann kamen die Böhmen (wie du?) ins Spiel, als ich über die Autobahnbrücke lief und schon gleich in Freiham war. Auf der Allee sollte ich es dann schlagen, ganz schön schnell war das. Aber diente gut dazu, schön aufrecht zu laufen, die von der Wiesndiät immer noch ein wenig schweren Beinchen ein bisschen höher zu heben. Jetzt wurde es mir aber doch einen Tick zu schnell, die Langbärtigen schrammelten dermaßen heftig, dass ich froh war, als sie ihre Stadt in Texas wieder verließen. Beim Mitleid mit dem Teufel war dann aber Schluss. Mein I-Pod mochte nicht mehr. Mist. Wo ich einmal wieder mit Musik laufe und zudem noch alleine, schneidet er mir das Lied und meinen Laufrhythmus einfach ab. Und mag sich auch nicht mehr zum Leben erwecken lassen. Blöde Technik.

Es half nur nichts, groß rumzugrummeln. Ich hatte nämlich ziemlich genau die Hälfte der Strecke zurückgelegt und musste den Rest halt ohne Musik schaffen. Bei Kilometer 7 gönnte ich mir einen Schluck Wasser aus der Leitung im Kloster Maria Eich. Am Ende waren's dann 11,3 Kilometer.

Dummerweise weiß ich nicht, in welcher Zeit ich die Strecke lief. Als ich am I-Pod rumfummelte, schaltete ich kurz meine Stoppuhr aus (weil ich ja stehen blieb) und drückte offensichtlich danach den falschen Knopf. Irgendwann merkte ich dann, dass mir die Polar nur die Uhrzeit anzeigte. Egal. Die 11,3 Kilometer gingen relativ problemlos, allerdings nur mit wenigen Steigerungen drin. Dafür war's mir fast schon wieder zu warm. Am Samstag kommt das letzte, ziemlich heftige Bahntraining, am Sonntag noch einmal ein langer, gemütlicher Lauf. Und dann darf ich eine Woche tapern... oh oh.

PS:
Welche Songs habe ich denn gehört? Wer kennt die Originaltitel, die ich da so frech übersetzt habe?