Ich gehöre ja zu den glücklichen Menschen, die einen ebenfalls laufenden Partner haben. Wir haben das Laufen sogar gemeinsam vor nahezu vier Jahren angefangen. Die Entwicklung verlief allerdings natürlich nicht parallel. Natürlich deshalb, weil Stefan erstens jünger ist als ich, zweitens ein Leichtgewicht und drittens ein Mann. Trotzdem laufen wir oft, oder sogar meistens zusammen. Stefan opfert sich dann so quasi immer. Er könnte nämlich schneller laufen als ich. Was heißt könnte, er kann schneller laufen, viel schneller! Und deshalb ist es mir oft gar nicht so recht, wenn er darauf besteht, dass wir zusammen auf die Laufstrecke gehen, weil ich dann immer das Gefühl habe, ich bremse ihn und gleichzeitig fühle ich mich dann auch noch gezwungen, schneller zu laufen, als es mir wirklich gut tut.
So kam ich heute wieder mit meinem schon öfter geäußerten Vorschlag, dass wir uns doch entgegen laufen könnten. Und ab dem Punkt, wo wir uns begegnen würden, sollte Stefan dann mit mir wieder umkehren. So hätten wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
- Jeder kann die ersten Kilometer sein eigenes Lieblingstempo laufen. Ich muss mich nicht gehetzt fühlen und er muss sich nicht künstlich bremsen.
- Stefan hätte die etwas längere Strecke und ich wunschgemäß die normale Streckenlänge (10,8 Km).
Gesagt getan. Wir schätzten, dass wir uns an einem Punkt treffen würden, bei dem ich ca. 5 und er 6 Kilometer zurückgelegt haben würde. Und so war es dann auch. Nur, dass Stefan schon ca. 2 Minuten da saß und auf mich wartete. Mir war es während meines Abschnitts entsetzlich warm geworden. Ich hatte praktisch nur Rückenwind, die Sonne schien, was das Zeug hielt und ich verspürte das dringende Bedürfnis, wenigstens die Ärmel von meiner dünnen Laufjacke abzutrennen. Obwohl ich wirklich nicht schnell war, lief der Schweiß in Strömen.
Im Nachhinein waren wir uns einig, dass es eine sehr gute und vernünftige Idee war, getrennt loszulaufen. Warum, illustriert die Auswertung von Stefans Kilometerzeiten aufs Anschaulichste:
Dreimal darfst du raten, wo er alleine und wo er dann zusammen mit mir gelaufen ist. ;-)
Wobei ich doch der Vollständigkeit halber hinzufügen möchte, dass bei den besonders hohen Balken Straßenüberquerungen mit Hund und ein paar Gehschritte mit zu berücksichtigen sind...