Freitag, 20. April 2007

Eine männliche Person

Heute morgen gegen 5 Uhr passierte ein schrecklicher Unfall auf "unserer" Autobahn, der A96. Ein Geisterfahrer schaffte es offensichtlich 8 Kilometer weit gegen die übliche Fahrtrichtung zu düsen, bis er endlich auf ein eher ungünstiges Hindernis in Gestalt eines Tanklastzugs mit 35.000 Litern Kraftstoff traf. Beide Fahrzeuge gingen nach Angaben der Feuerwehr und der Polizei ziemlich schnell in Flammen auf. Die Autobahn ist in Richtung Lindau immer noch komplett gesperrt, weil auf Grund der Hitzeentwicklung sogar der Fahrbahnbelag geschmolzen ist und erneuert werden muss. Wundersamerweise haben beide Fahrer das Unglück mit relativ leichten Verletzungen überlebt.

So viel zu den Hintergrundfakten. Natürlich war dieses Ereignis ständig in den Nachrichten bzw. in Sonderberichten das Thema. Unter anderem kam bei der Berichterstattung auch einer der Feuerwehrleute zu Wort. Und da fiel es mir wieder auf und das Sprachgruseln überkam mich. Der gute Mann schilderte den Unfall in einem derart grauslichen Amtsdeutsch, dass mir dabei die Haare zu Berge standen. Da war von "einer männlichen Person" die Rede, die "aus dem verunfallten PKW" in einen Rettungswagen "verbracht" worden war. Dummerweise hielt der Feuerwehrmensch das Genus der männlichen Person nicht durch und im nächsten Satz war "er" dann ins Krankenhaus "verbracht" worden (gleich nochmal dieses unsägliche Verb!).

Wer lehrt Polizisten und Rettungskräfte nur diese schreckliche, geschraubte Sprache? Warum darf oder kann ein Mann nicht einfach Mann genannt, sondern muss so gestelzt mit "männliche Person" umschrieben werden? Was bitte wäre denn der Unterschied zwischen "einer männlichen Person" und "einem Mann"? Ich kenne keinen. Warum wird jemand "verbracht" und nicht "gebracht"? Ich werde es im Leben nicht kapieren, wieso solche Wörter von Amtspersonen benutzt werden. Soll das irgendwie wichtiger klingen? In meinen Ohren jedenfalls klingt's nur gestelzt, aber bestimmt nicht wie gutes Deutsch.

Dein Verständnis für noch schlimmere Blüten des Amtsdeutsches, auch Blähdeutsch (schönes zweideutiges Wort...) genannt, kannst du übrigens hier testen. Da sind Wörter dabei, die sind so fürchterlich, dass sie schon beinahe als Realsatire durchgehen.

1 Kommentar:

Anja Ridlberg hat gesagt…

Ich sag jetzt nicht, dass ich bei dem Test gut abgeschnitten hab;-) Aber ich hab auch bei einer Verwaltung gelernt und insgesamt 9 Jahre gearbeitet. Danach konnte ich es allerdings nicht mehr aushalten und ackere seitdem mehr Stunden und ungesicherter aber mit viel Freude in der sog. "Freien Wirtschaft".

Diese Amtssprache lernt man dort und ich werde nie den Blick meiner Kollegin bei meinem ersten "freien" Job vergessen, als ich sie nach dem "Ab-Vermerk" fragte. Bis heute brauchte ich das auch nicht mehr und das sind nunmehr 12 Jahre.

Es ist halt eine eigene Welt. Auch meine jetzige Berufswelt hat eine eigene Sprache. Nur die von den Beamten entwickelt sich scheinbar nicht weiter - vielleicht war das früher mal ein Zeichen von Bildung:-)