Donnerstag, 24. August 2006

Durchgebissen oder versagt?

Um kurz nach 10 verlasse ich das Haus, um mich auf meine 8-Kilometerrunde, die laut Trainingsplan heute ansteht, zu machen. Ich bin eigentlich Abendläufer, aber laut Wettervorhersage soll es später regnen und jetzt scheint halt noch so schön die Sonne.

Schon auf den ersten Metern merke ich, dass nicht nur die Sonne scheint, sondern dass es auch Temperaturen hat, die mir zum Laufen zu hoch sind. Aber mein Weg geht ja größtenteils durch den Wald und eine Bestzeit muss auch nicht herausspringen. Es wird schon gehen.

Nun ja. Ich bin jedenfalls langsam. An der Bank, wo es links abgeht, schaue ich auf die Uhr. Fast 8 Minuten. Na ja. Passt schon. Ich muss tiefer atmen, der Sauerstoff scheint irgendwo am oberen Ende meiner Lunge hängen zu bleiben. Es fällt mir schwer. Bei Kilometer zwei zeigt meine Uhr 14 Minuten und ca. 30 Sekunden. Ok ok. Wie gesagt, es muss ja nicht schnell werden. Da vorne muss ich eine Straße überqueren. Ich rufe den Hund zu mir. Gemeinsam laufen wir rüber, weil kein Auto kommt. Jetzt geht's auf den Waldsportpfad. Soll ich links rum oder rechts rum? Ich entscheide mich für die Richtung, die auch auf Laufbahnen gelaufen wird, also gegen den Uhrzeigersinn. Bah, meine Beine sind schwer, auch der Muskelkater in den Oberschenkeln (keine Ahnung, woher ich den habe) macht sich wieder bemerkbar. Ich habe das Gefühl, als ob es hier permanent bergauf ginge. Tut es aber nicht. Endlich, Kilometer vier. 29 Minuten und irgend was krummes. Ich werde also langsamer. Am liebsten würde ich ja noch langsamer werden und einfach ein paar Schritte gehen. In meinem Kopf formieren sich zwei Wörter: "versagt" und "durchgebissen". Will ich wirklich am 1. Oktober 5 Kilomter in 30 Minuten laufen? Will ich das wirklich? Wozu eigentlich? Meine Beine sind schwer, ich mag nicht mehr laufen. "Versagt!", meldet sich meine innere Stimme höhnisch. Nix da, es wird weitergelaufen! "Durchgebissen!", flüstert sie lobend. Weiter geht's. Hier runter und schon hab ich 5 Kilometer. Und da vorne geht's schon wieder über die Straße. Dieses Mal müssen wir leider anhalten, denn es kommen Autos von links und von rechts. Aber dann ist die Straße frei und mein Hund und ich überqueren sie. Ja komm, laufen! Nicht gehen! Ok ok, ich lauf ja schon wieder. Versagt, durchgebissen, versagt, durchgebissen...

Normalerweise würde ich hier jetzt gehen, heute reiße ich mich zusammen. Ja, ich will die 5 km in 30 Minuten laufen, verdammt nochmal! Und wenn ich das will, dann muss ich halt mal ein bisschen beißen. Und irgendwie geht's. Es geht sogar noch auf dem kurzen sonnigen Abschnitt, wo bestimmt 25 Grad herrschen. Aber gleich bin ich ja wieder im Wald. Und hier geht es dann tatsächlich ganz leicht bergab, vielleicht ein 0,5-Prozent-Gefälle, aber ich kann mir hier einreden, es ginge steiler bergab. So, da vorne wieder an der Bank vorbei. Noch gut ein Kilometer und ich laufe immer noch. Mein Hund ist mittlerweile weit hinter mir. Madam wird halt auch älter. Neun Jahre ist sie mittlerweile und hohe Temperaturen machen ihr auch zu schaffen.

Und noch einmal links um die Kurve. Hier scheint wieder ein bisschen die Sonne, aber ich hab sie im Rücken. Versagt, durchgebissen, versagt, durchgebissen... geht es mir wieder durch den Kopf. Und da passiere ich doch schon die Bank am rechten Wegesrand, von wo es noch genau 500 Meter sind. Ich laufe weiter, werde sogar, wie eigentlich immer, ab hier ein wenig schneller. Nach 56 Minuten und 59 Sekunden und nach 8 Kilometern bin ich am Ziel angelangt.

Durchgebissen hab ich mich! Ich bin ein bisschen stolz...

Kommentare:

sapsi hat gesagt…

Sehr schön. Ja, sei stolz auf dich und setze einen glänzenden Anker, auf den du das nächste Mal, wenn es wieder schwer fällt und der Kopf sagt, du könntest mal ein Stückchen laufen, zugreifen kannst. :-)
Schöner Plan übrigens mit dem 01.10. Hab das heute Nacht gelesen und dachte mir, das ist eine gute Geschichte, die dir sicher gut tut. Läuferisch meine ich natürlich. ;-)
Ich wünsche dir viel Spaß und drücke für den Erfolg die Daumen !
Grüße von Sapsi

José hat gesagt…

Hey Uschi,

Gratulation - das darf dich ruhig stolz machen!

Viele Grüße

José

Manu hat gesagt…

Uschi, Du hast ja doch tief in Dir ein Kämpferherz!

Ich kenne diese Tage, an denen man sich von Anfang an nur schleppt und alles furchtbar zäh ist. Aber zum Glück gibt es doch auch immer wieder diese anderen Tage, wo man sich leicht und beschwingt fühlt.

Und wir arbeiten darauf hin, dass Du Dir am 1.10 zutraust, schneller zu laufen als sonst. Du wirst schon vorher wissen, dass Du es kannst und musst es an diesem Tag dann nur noch umsetzen.

Ich finde es klasse, dass Du Dich durchgebissen hast - aber wenn es mal absolut nicht Dein Tag ist, aus welchen Gründen auch immer, kannst Du ruhig eigenmächtig vom "Plan" abweichen.

Der Muskelkater könnte nicht vielleicht von den Antritten herrühren? ;-)
Man mag es kaum glauben, dass diese kleinen Spurts sowas mit den Beinen anstellen, die doch sonst meilenweit laufen...aber doch, es ist so, Antritte und Steigerungen machen, wenn man's gar nicht gewohnt ist, Muskelkater!

Und jetzt schön ausruhen bis Samstag!!!

Gruß
Manu