Montag, 6. November 2006

Kulturschock beim Einkaufen (1)

Wir hatten erfahren, dass man bei Runners Point evtl. das ein oder andere Laufschuhschnäppchen machen könnte, da die Lager geräumt werden. Also entschlossen wir uns am Samstag Nachmittag zu einem Besuch im Münchner Olympia-Einkaufszentrum, um mal zu gucken.
Dass es nicht unbedingt bedeutet, einen freien Autoabstellplatz zu finden, wenn das Schild außen am Parkhaus anzeigt "Freie Parkplätze" und sich auch noch die Schranke bereitwillig öffnet, wurde uns nach etwa einer halben Stunde in der Autoschlange stehen klar. Plötzlich waren wir wieder draußen, ohne einen freien Parkplatz gesehen zu haben. Ein paar 100 Meter weiter fanden wir schließlich ein Plätzchen, wo wir das Auto lassen konnten und machten uns zu Fuß auf den Weg ins Einkaufszentrum. Leider befindet sich der Laden von Runners Point so quasi am anderen Ende der Passagen. Und schon auf dem Weg dorthin stellte ich fest, dass solche Konsumtempel nichts für mich sind. Es sind einfach viel zu viele Menschen in viel zu großen Gruppen viel zu langsam auf viel zu engem Raum unterwegs. Sie haben auch noch jede Menge rollender Hindernisse in Form von Kinderwagen und Buggies dabei oder Hunde. Was macht ein Hund im Einkaufszentrum? Kläffen natürlich und an langer Leine den anderen Flaneuren zwischen den Beinen rumwuseln. Für meinen Hund und mich wäre das eine Zumutung und deshalb bleibt sie bei solchen Unternehmungen stets zu Hause.
Schließlich erreichten wir den Laden unserer Begierde, stellten aber nach kurzer Zeit fest, dass die Schnäppchenauswahl keine lohnende war und verließen kurz darauf das Geschäft wieder. Da wir nun schon mal hier waren, wollte ich bei C & A noch eine Mehrfachpackung an Strümpfen erstehen, da die Strumpfabteilung gleich hinter der Eingangstür zu sehen war.
Und dort fiel es mir dann eigentlich zum ersten Mal auf. Ich fühlte mich plötzlich fremd an diesem Ort. Wir waren umgeben von unzähligen Menschen, die nicht unsere Sprache sprachen! Wo immer ich einen Gesprächsfetzen aufschnappte, verstand ich nichts. Kinder schrien unverständliche Wörter, Eltern antworteten ebenso fremdartig. Wo waren wir denn da nur hingeraten? Ja, wir waren in München, einer Stadt mit 25%igem Ausländeranteil. Und heute wurde mir das zum allerersten Mal bewusst. Es scheint Orte zu geben - Einkaufszentren gehören wohl dazu - an denen sich die Menschen mit den fremden Sprachen vorzugsweise versammeln. Für mich war es eine Art Kulturschock, weil da, wo ich lebe, von allen Nachbarn Deutsch oder Bairisch gesprochen wird. Auch von denen, die eine andere Herkunft haben, sei es die philippinische oder brasilianische Ehefrau oder auch die türkische Familie ein paar Straßen weiter. Wenigstens sprach die Kassiererin bei C & A deutsch. Ich hatte schon fast befürchtet, wortlos mein Geld hinlegen zu müssen und ebenso wortlos verabschiedet zu werden. Ich glaube, ich werde alt und intolerant.

Kommentare:

José hat gesagt…

Ja, Uschi - so geht es mir auch immer, wenn ich in München bin :)))

Güße aus dem grauen Frankfurt

José

tierparkente hat gesagt…

das OEZ dürfte neben dem PEP auch das zweite Kulturenzentrum sein ;) unbairisch, anders und zu voll (ist das jetzt so? mit i? furchtbar!)

die Riem-Arkaden wären noch zu empfehlen - leerer, mehr Spaziergänger und weniger Hardcore-Einkäufer. Von deichmann und C&A mal abgesehen *g

Liebe Grüsse und .... ach... mail
d

Manu hat gesagt…

Hier in Wuppertal gibt es auch so einen Tempel, die City-Arkaden.
Die "Landessprache" dort ist dürkisch. Unzählige Jugendliche sprechen diese grausige Mischung aus deutsch und türkisch - ich finde das sooo schlimm. Da bin ich wohl ebenso intolerant.
Ansonsten geht es mir auch wie Dir. Das Herumkriechen und Slalom-Tippeln in diesen überfüllten Centern ist mir ein Graus. Ab und zu waren wir mit David trotzdem dort einkaufen, wenn das Wetter draußen absolut babyuntauglich war. Aber dann mit Tragetuch...damit ist man doch noch etwas wendiger unterwegs.
Es gibt in Wuppertal aber auch ein anderes center - dort ist das Durchschnittsalter der Kunden um einiges höher...man könnte sagen, die Senioren Wuppertals haben sich dort ausgebreitet. Und ich finde es da tatsächlich angenehmer :-)))
Tja, so ist das im "Mittelalter"...man steht dazwischen...

Gruß
Manu

Abejita hat gesagt…

Samstag nachmittags ins OEZ?? *schock*
Meine bisherigen Erfahrungen sehen nicht viel anders aus ;-)

lizzy hat gesagt…

Als total-Verabscheuerin jeglicher übertriebener Menschenansammlungen und insbesondere jeglicher Konsumtempel mit regem Publikumsverkehr kann ich das MenschenmassenProblem verstehen.

Aber wo ist das Problem mit den Sprachen? Ich meine: was hätte es dir genutzt zu verstehen, was die unterschiedlichen Nationen am Wühltisch oder an den Weinregalen diskutieren?

Das Haus, in dem ich sechs Jahre lang hier in München gelebt habe, ist ein Haus, in dem größtenteils alteingesessene Eigentümer die Bewohner der 40 Wohnungen stellen. Fast alles 'rechschaffene' bayerische Durchschnittsbürger, von denen einige sich das Hobby auserkoren haben, jeden, der ein bisschen 'anders' daherkommt so zu plagen, dass möglichst jegliche Lebensfreude schwindet. Mit Briefen über die Hausverwaltungen, Drohungen, Unfreundlichkeiten, zusammengerotteten Feindseligkeiten .... Es war die gruseligste Nachbarschaft meines Lebens. Unfreundlich, verschlossen, feindselig und boshaft (nicht alle - aber es reichen immer wenige, die den Ton angeben). Nach Jahren der Schüsse und Anfeindungen gegen uns (unverheiratetes Preußen(also auch ein bisschen Ausländer-)paar mit ruppigem Jugendlichem und Hund *igitt*) hatten sie ein besseres Opfer gefunden: ein türkisches Ehepaar. Die waren recht nett - fanden dann aber schnell was neues und zogen schnell wieder aus. Ihre Nachmieter waren ebenfalls Türken - mit zwei kleinen Kindern.

Ich war aus der Schußlinie und wurde im Gegenteil mehrfach freundlichst dazu eingeladen, an den Feindseligkeiten teilzunehmen und mich ebenfalls über die (ganz lieben und braven und eher etwas verschüchterten) Kinder zu beschweren.

Als Nachmieterin für uns ist eine Frau aus Ghana mit ihren zwei kleinen Töchtern eingezogen. Erzählte mir neulich eine der Urbewohnerinnen als sie mich auf der Straße traf und tat, als wären wir Zeit unseres Lebens beste Freundinnen gewesen (als bekannt wurde, dass wir in der Gartenstadt ein Häuschen kaufen, wurden die ehemals boshaftesten zu den überfreundlichsten, die man sich so denken kann ...). Sie fing an mit: "Es wird immer schlimmer - jetzt sind in IHRE Wohnung drei Schwarze eingezogen ..."
Ich sagte ihr: "Ja, ich kann mir vorstellen, wie schlimm das ist. Die Frau und ihre Kinder tun mir grenzenlos leid und es hätte mir besser gefallen, wenn die Damen des horizontalen Gewerbes, die sich auch für die wohnung interessiert haben, Nachmieter geworden wären." ... Nunja ... meine Gesprächspartnerin war etwas irritiert, als sie die Aussage kapierte wie kurzgefrostet und wir verabschiedeten uns höflichst :o)

Mal im Ernst: natürlich ist es weltweit ein Problem und es kann zu massiven Konflikten führen, wenn zu viele zu unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Weil die Menschen überall immer wieder Angst vor 'dem anderen' haben - da tun sie sich nix, die unterschiedlichen Kulturen ... und manchmal denke ich, ich muss 'ne Ausserirdische sein .. mir kommen alle so gleich und doch auch immer mal so fremd vor *g*

meine engsten Freunde sind nicht-deutsche und obwohl Fremdsprachen mein schwächstes Fach in der Schule waren, mag ich sogar die meisten Fremdsprachen. Finde das einfach irgendwie interessant, was es da alles gibt.

Naja - ist ein weites Feld und ich habe viele viele Geschichten über die unterschiedlichsten Erlebnisse und Sichtweisen - vom nigerianischen Putzmann in den Unikliniken, der an Geist und Intelligenz, Weltgewandtheit und LEbenserfahrung den ganzen Beamtenflur in die Tasche gesteckt hätte ... aber als Schwarzer ohne Geld und ohne Studium ... während einige ebendieser Beamten sich darin gefielen, süffisante Sprüche abzulassen, weil Frau Metz gelegentlich rauchend oder lachend mit diesem 'Schwatten' rumstand ... *ratschratsch* ...

Wie gesagt: verstehen kann ich, wie es zu der Ablehnung kommt - persönlich nachvollziehen selten. Jedenfalls nicht mehr, sobald ich einmal die Trennungsschwelle überwunden habe.

Obwohl ... Einkaufszentren ... *igitt* ;o)

Roman geworden? tscha - passiert mir bei solchen Themen immer wieder ;o)

(irgendwie klappt das mit dem Abschicken nicht - könnte also gleich doppelt und mehrfach erscheinen, mein Kommentar)

Uschi M. hat gesagt…

Lizzy,

das ist ja alles gut und schön, was du da schreibst. Du rennst aber bei mir damit offene Türen ein.
Ich lebe davon, dass es in unserer Stadt Ausländer gibt, das nur nebenbei. Du scheinst bei mir da so etwas wie Ausländerfeindlichkeit rausgelesen zu haben. Das steht im Text aber nicht drin.

Mir geht es nur um die Sprache. Ich mag mich, wenn es erforderlich ist, mit den Menschen verständigen können. Und da ich in Deutschland lebe, tue ich das natürlich auf Deutsch (Touristen ausgenommen, die kriegen auch gerne Auskunft in englischer Sprache).
Oder welcher fremder Sprachen bist du denn so mächtig? Wie hast du dich denn mit dem nigerianischem Putzmann verständigt?

A bissi übers Ziel hinausgeschossen, gell? ;-)

lizzy hat gesagt…

über's Ziel rausgeschossen? ochnö - das Ziel war ja nicht, dir Fremdenfeindlichkeit 'vorzuwerfen'.

Du selber schriebst, du würdest 'intolerant' - und ich schrieb, was mir zu diesen - wie gesagt auch irgendwie verstehbaren und erklärbaren Ablehn-Phänomenen meinerseits einfiel! Kein persönlicher Angriff sollte das sein. Höchstens ein Anstoß, das auch mal relativer zu sehen bzw. zu überlegen, wie der Mechanismus da abläuft. Es gibt da soooo viele Geschichten, die mir einfielen dazu - da mußte ein Teil davon raus ...

Ich war neulich aus bestimmtem Grund Samstags abends erstmalig in Hasenbergl. Und dort beim ALDI - es gibt reichlich gute Gründe, dort NICHT wohnen zu wollen.

Mit dem Putzmann habe ich meist Deutsch gesprochen. Er sprach deutsch, englisch und französisch (soweit ich das beurteilen konnte alles ziemlich fehlerfrei und souverän). Er hörte dann aber als Putzmann auf bevor ich die Wirkungsstätte ebenfalls verließ. Hatte eine Stelle als Privatchauffeur gefunden und jung und umtriebig wie der war, gehe ich davon aus (und hoffe es), dass er sich auch von dort weitergearbeitet hat.

Aber dass ich mich mit Menschen nicht verstanden habe, nur weil wir nicht die gleiche Sprache sprachen - das kam eigentlich nie vor. Wenn es nötig wird und der Wille vorhanden ist, findet man Wege der Verständigung. Aber meist redet man in Einkaufzentren sowieso nicht mit den anderen Einkaufenden, oder?

Ist aber für schriftlich wirklich ein zu mühsames und vielschichtiges Thema, finde ich.

Übrigens sehe ich hier im Büro dieselben Wolken, die du da oben im neuen Posting zeigst. Wir haben ebenfalls schon drüber geredet hier (schwerpunktmäßig auf bayrisch - obwohl auch ein Rumäne dabei ist und natürlich ich als preußische und noch dazu weibliche Randgruppe .-)